100% Unsterblichkeit (2022)

Öl auf Leinwand

60 x 40 cm

Serie: Años de los muertos (Vanitas)

Oscar trägt Drag. Unter der knallroten Perücke und dem Strohhut liegt ein anatomisch männliches Skelett – erkennbar an den schmaleren Hüften und der engen Beckenapertur. Die äußere Ausstattung hingegen ist feminin codiert.

Das Bild ist ein Plädoyer für die Erkenntnis, dass Gender-Variationen etwas Fundamentales sind. Während die Gesellschaft oft auf einer binären Norm beharrt, zeigt die Forschung (u. a. in den Gender Studies und der Biologie), dass Geschlecht ein Zusammenspiel aus mindestens sechs Ebenen ist: chromosomal, gonadal, hormonell, morphologisch, phänotypisch und psychisch. Diese Dimensionen sind jedoch selten deckungsgleich, und so ist die eindeutige Zuordnung eher eine statistische Ausnahme als die Regel. Oscar, befreit von Haut und sozialem Druck, macht diese Varianz sichtbar.

Der Titel „100% Unsterblichkeit“ ist eine skeptische Reaktion auf die Longevity-Bestrebungen technologischer Eliten. Während in Silicon Valley an Mind-Uploads und Kryonik gearbeitet wird, um der Sterblichkeit zu entkommen, sitzt Oscar mit seinem roten Bob gelassen da. Er verkörpert eine Form von Unsterblichkeit, die keinen Code benötigt, sondern durch die spielerische Aneignung der eigenen Vergänglichkeit entsteht.