Über die Künstlerin
Mein Körper ist mein einziges Vehikel in dieser Realität. Er altert, hat seine Eigenheiten, ist endliche Substanz. Seit ich als junge Frau in der Altenpflege Menschen an der Schwelle zum Tod begleitete, sitzt das Wissen um die eigene Sterblichkeit als Berater auf meiner Schulter. Nicht als Drohung, sondern als schlichte Gewissheit: Sterben ist kein Abbruch, sondern eine Tür in andere Sphären, in denen wir als Nodes in einem umfassenden Gefüge verknüpft sind.
Diese Gewissheit treibt mich an, mich am ‚Real Life‘ abzuarbeiten: an den Mechanismen der Macht, die dieses Gefüge stören. In Serien wie The War Machine oder Einzelbildern wie Big Money Bauta seziere ich die anonymen Fratzen von Krieg und Gier. Ich blicke zurück auf revolutionäre Frauen (Théroigne), deren Mut pathologisiert wurde, und auf die Zerbrechlichkeit und Stärke unserer Lady Democracy. In meinen Werken geht es um eine fast archäologische Freilegung der menschlichen Verfasstheit: Wer sind wir (Homo Sapiens) angesichts der Maschinerie?
In meinem Atelier in den B.L.O. Ateliers herrscht oft Stille – oder laute Musik. Hier widme ich mich der Ölfarbe – einer geschmeidigen, langlebigen Substanz, die ich oft mit nervösen, suchenden – aber auch kraftvoll-expressiven – Pinselstrichen bearbeite. Es ist ein Ringen um Ausdruck, bei dem vieles vernichtet und wiederverwendet wird, bis die Aussage meiner Ansicht nach gesetzt ist.
Das Virtuelle begreife ich als einen möglichen Zugang zu diesem gefühlten Urzustand der Vernetzung. Doch auch dieser Raum ist längst kolonisiert. Mein Interesse an Cardano und Blockchain entspringt der Suche nach vernünftigen, wissenschaftlich fundierten Strukturen, um eine solide Basis für Experimente zu haben. In einem von Profitinteressen gesteuerten Umfeld sind sie der Versuch, digitale Souveränität zurückzugewinnen – gallische Dörfer im Code.
Während mein Atelier der Ort der Konzentration ist, war der krautART ARTspace (2018–2026) acht Jahre lang mein Raum für das Zusammenfinden: ein Ort des Bastelns, der Debatte und des sozialen Rausches. Diese Ära endet unfreiwillig im März 2026. Doch bevor der Schlüssel abgegeben wird, setze ich mit der Werkschau ‚Während die Maschine läuft‘ einen finalen Punkt.
Portfolio
Eine Auswahl meiner Arbeiten von 2016 bis 2025 – thematisch kuratiert, visuell verdichtet.
Das Portfolio steht als PDF zur Verfügung.