Ausstellung für abgelehnte Künstlerinnen. 47 Positionen aus 17 Ländern. Eine Gegenposition zum institutionellen Kunstbetrieb. Februar – März 2024, krautART ARTspace Berlin.


Salon de Refusées – Gegenposition

Der historische Salon des Refusés, Paris 1863, zeigte Werke, die die offizielle Jury des Pariser Salons abgelehnt hatte. Darunter Manet, Cézanne, Pissarro. Was als Zugeständnis an die Empörung der Abgelehnten gedacht war, wurde zur Initialzündung der modernen Kunst.

160 Jahre später hat sich an der Struktur wenig geändert. Die Jurys sind diverser geworden, die Mechanismen sind geblieben: Wer nicht in die Logik des Betriebs passt – formal, thematisch, biografisch – wird nicht gezeigt. Besonders betroffen: Künstlerinnen ohne akademischen Hintergrund, ohne Galerieanbindung, ohne die richtigen Netzwerke.

Der Salon de Refusées im krautART ARTspace stellte dieser Logik etwas entgegen. Der Open Call richtete sich gezielt an weiblich gelesene Künstlerinnen, deren Arbeiten in den vorangegangenen 18 Monaten von jurierten Ausstellungen, Kunstpreisen oder Residencies abgelehnt worden waren. Es gab keine inhaltliche Kuration im engeren Sinne – bewusst nicht, um keine neuen Ausschlüsse zu produzieren. Bewerbungen wurden angenommen, sofern sie den formalen Vorgaben entsprachen.

Das Ergebnis: 47 Künstlerinnen aus 17 Ländern. Malerei, Multimedia, Textilkunst, Video, Fotografie, Druckgrafik, Streetart, digitale Arbeiten. Eine physische Ausstellung im krautART ARTspace, ergänzt durch eine virtuelle Ausstellung, Künstlerinnengespräche und Workshops.

Die internationale Resonanz – der Open Call zog Bewerbungen aus 18 Ländern an – bestätigte die These: Es fehlt nicht an Qualität. Es fehlt an Strukturen, die Qualität jenseits etablierter Netzwerke sichtbar machen.

Vom Salon zu Voices of the Unseen

Aus dem Netzwerk des Salon de Refusées und der Dichte der geteilten Erfahrungen entstand der Impuls für das Forschungsprojekt Voices of the Unseen – beauftragt vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). 13 der beteiligten Künstlerinnen trugen zu einem kollektiven Videowerk bei, das die im Salon sichtbar gewordenen Muster – Prekarität, institutionelle Ausschlüsse, Resilienz – in eine gemeinsame künstlerische Form überführte.

Eckdaten

Zeitraum: 29. Februar – 28. März 2024
Ort: krautART ARTspace, Berlin-Lichtenberg
Beteiligte: 47 Künstlerinnen aus 17 Ländern
Formate: Physische Ausstellung, virtuelle Ausstellung, Künstlerinnengespräche, Workshops
Konzept und Kuration: Cornelia Es Said